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Hunde suchen vermissten Ueriker im See,
Tages Anzeiger, Zurichsee
Von Sandra Flückiger, Bild: SABINE ROCK . Aktualisiert am 05.10.2008
Das Boot der Seepolizei braust in den See hinaus, der Malinois Bahco bellt ununterbrochen. Auf ein Zeichen von Hundeführerin Esther van Neerbos bremst das Boot plötzlich und wendet. Langsam fährt es zurück Richtung Tiefenbrunnen, während van Neerbos ihr GPS-Gerät überprüft. Bahco, der von Janette Kruit an der Leine gehalten wird, versucht auf dem Bootsrand stehend und immer noch laut bellend, aus dem Wasser eine Spur menschlichen Geruchs aufzunehmen.
 Die belgische Schäferhündin Rifka springt ins Wasser, um einen Fund anzuzeigen.
Beim Punkt angekommen, wo die Hunde am Vortag angegeben haben, geschieht nichts. Das Boot fährt weiter landeinwärts. Dann plötzlich Stille, und Bahco springt ins Wasser – das Zeichen, dass er etwas gerochen hat. Van Neerbos gibt die Position in ihr GPS-Gerät ein, um später die verschiedenen Fundstellen miteinander vergleichen zu können. Janette Kruit wirft Bahco einen Tennisball zu, und zieht ihn wieder ins Boot. «Für die Hunde ist das alles ein Spiel. Zur Belohnung erhalten sie den Ball», sagt sie.
 Nachdem Rifka zur Belohnung einen Tennisball erhalten hat, holt Hundeführerin Janette Kruit sie aus dem Wasser.
Drei Rettungshundeführer der holländischen Hundestaffel Signi Zoekhonden suchen im Zürichsee nach dem Ueriker Manuel Dennis, der im vergangenen März verschwunden ist. Er stieg am Karsamstag in Thalwil in ein Kursschiff Richtung Bürkliplatz, ab da verlor sich seine Spur. Seine Mutter hat die international tätigen Hundeführer privat engagiert. Diese arbeiten diesmal mit der Städtischen Seepolizei zusammen, die das Boot zur Verfügung stellt.
Kälte und Tiefe erschweren Suche Nach weiteren Runden mit Bahco, und nachdem dieser ein zweites Mal ins Wasser gesprungen ist, wird der Hund gewechselt. Mit dem Labrador Samir und danach mit der Malinois Rifka fahren die Hundeführer die gleichen Strecken noch einmal ab, um zu überprüfen, ob sie an denselben Stellen anzeigen. Erst wenn alle im Einsatz stehenden Hunde einen Fundort bestätigt haben, kann mit einer gewissen Sicherheit gesagt werden, dass sich in einem bestimmten Umkreis ein Mensch befindet.
Die Suche gestaltet sich schwierig, weil die Gerüche eines Menschen trichterförmig vom Seeboden aufsteigen. Je tiefer er liegt, desto grösser wird der Kreis an der Oberfläche. Zusätzlich spielen die Windverhältnisse und die Lufttemperatur eine Rolle. Darum suchen die Hundeführer an mehreren Tagen mit verschiedenen Hunden und am besten bei unterschiedlichen Wetterbedingungen, um das Gebiet möglichst einzugrenzen. «Die Suche hier wird durch die Kälte und die Tiefe des Sees erschwert. In Holland sind die Bedingungen anders», erklärt Kruit.
 Der Labrador-Suchhund Samir schnuppert konzentriert nach menschlichen Düften im Wasser.
Mit insgesamt sieben Hunden sind die Holländer unterwegs, davon zwei Labradors. Der Rest sind Malinois, belgische Schäferhunde. Sie sind dazu ausgebildet, Tote sowie Lebendige zu finden, und werden auch für die Suche an Land eingesetzt.
Nach Tsunami im Einsatz
Für die Hundeführer sind die Suchaktionen ein Hobby, das sie aus Freude an der Arbeit mit Hunden und um zu helfen ausüben. Esther van Neerbos ist Tierärztin, Janette Kruit Tierarztgehilfin, und Saad Attia, der dritte Hundeführer, arbeitet in einer Metallfabrik. Die Kosten tragen sie meist selber, einen Teil können sie mit Spenden finanzieren. «Man muss nicht reich sein, um Hilfe zu kriegen», sagt Kruit.
Dieses Jahr haben die Hundeführer 14 Suchen durchgeführt. In Krisengebiete gehen sie auf eigene Faust. «Von der Regierung sind wir oft nicht erwünscht, wie diesen Frühling nach dem Erdbeben in China», erzählt Kruit, «vor Ort bieten wir aber nochmals Hilfe an, dann gehts meist.» Nach dem Tsunami vor vier Jahren halfen sie in Thailand und Sri Lanka, nach dem Hurrikan Katrina 2005 in New Orleans.
«Meist kommen wir zu spät», sagt Janette Kruit. Bisher hätten sie nur Tote gefunden. Dies sei aber ebenfalls wertvoll, obwohl viele keinen Sinn darin sähen, nach Toten zu suchen. «Die Angehörigen sind trotz des Schmerzes erleichtert, wenn man einen Vermissten zurückbringt. Sie können die Geschichte dann abschliessen.» Deshalb sei es ihr auch ein Anliegen, Manuel Dennis zu finden. Bereits zum vierten Mal kamen die Holländer letztes Wochenende nach Zürich. Zwischen Thalwil und Erlenbach haben sie dreimal gesucht – und gefunden. Obwohl die Hunde angezeigt hatten, blieben die Polizisten auf ihren Tauchgängen erfolglos. Nun haben die Hundeführer ihre Suche auf die Schiffsstrecke zwischen Küsnacht und Bürkliplatz verlegt.
Patrick Weisser, Wachtmeister der Wasserschutzpolizei und Bootskapitän für die Holländer, fand die Zusammenarbeit interessant: «Ich lerne eine neue Möglichkeit kennen, nach jemandem zu suchen, und bin gespannt, was herauskommt.»
Die Hundeführer werden ihre Daten nun auswerten und ein Gebiet eingrenzen. «Es wird in einem Radius von etwa 50 Metern um die Fundstellen sein», sagt Esther van Neerbos. Die Kantonspolizei, die für den Fall verantwortlich ist, entscheidet dann über weitere Schritte. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 05.10.2008, 20:50 Uhr
Zwischen Thalwil und Erlenbach ist schon eines Bot auf 95 meter tiefe gefunden folgens die Anzeige von der Hunden.
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